Yoga Wege

Wenn unser Ziel klar ist, können wir die Mittel und Wege finden, die uns dahin führen.
Der Yoga hat im Laufe von über 2000 Jahren ein komplexes Übungssystem für Körper, Atem und Geist entwickelt, mit dem sich diese Ziele erreichen lassen.

Das Üben mit dem Körper: ASANA

Im Lauf der Tradition entstand eine Fülle von Körperhaltungen (asana), die tiefgreifende Wirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit des Menschen haben.

Jede Haltung schafft in ihrer Eigenart Räume, in denen prana, die Lebensenergie fließen kann. Die Beeinflussung des Energieflusses im Körper geschieht ähnlich wie bei der Akupunktur: Blockaden werden gelöst, Energie freigesetzt, eine Harmonisierung des Energiesystems bewirkt. So oder ähnlich beschreibt es der erfahrungsorientierte Ansatz der Tradition. Inzwischen gibt es viele Forschungsergebnisse zur Wirkweise des Yoga-Übens.

Aus medizinisch-naturwissenschaftlicher Sicht kann man Yoga zunächst einmal als ein strukturiertes Übungsprogramm für Körper, Atem und Geist ansehen. Bei regelmäßigem Üben zeigen sich nachweisbare Wirkungen auf unterschiedliche Funktionen des “menschlichen Systems”:

  • Harmonisierung der Körperfunktionen und ihres Zusammenspiels
  • Auf muskulärer Ebene: Lösen muskulärer Spannungszustände ebenso wie Kraftaufbau
  • Förderung von Beweglichkeit und Koordination
  • Regulierung/ Stärkung der Immunabwehr
  • Positive Beeinflussung der Regulation des Hormonhaushalts
  • Balance von Vagus und Sympathikus (Nervensystem)
  • Positive Beeinflussung der Regulation der Durchblutung (Blutdruck, Kreislaufsystem)

Fundierte Informationen auf wissenschaflticher Basis zur Wirkung desYoga-Übens findens Sie in der Zeitschrift viveka, www.viveka.de und als PDF Downloads auf den Seiten des Instituts für Qualifikation, Forschung und Therapie, www.yoga-info.de

Die Yogahaltungen entfalten ihre volle Wirksamkeit, wenn sie in Verbindung mit dem Atem in einer bestimmten sinnvollen Reihenfolge mit Vorbereitung und Ausgleich (vinyasa krama) geübt werden.

Das Üben mit dem Atem: PRANAYAMA

Die Atem-Übungen des Yoga reichen von der Wiederherstellung des natürlichen Atems bis zu sehr komplexen Übungen, die gezielt gesundheitliche oder geistige Wirkungen erzielen können.

Gesundheit und Atem bilden eine untrennbare Einheit.

Der Atem wird im Yoga als wichtigster Träger der Lebensenergie verstanden. Er steht in intensiver Wechselwirkung mit unserem Körper und unserem Geist, weil über den Atem unser vegetatives Nervensystem beeinflusst werden kann und umgekehrt.

Unruhe und Angst wirken sich ebenso deutlich auf unseren Atem aus wie Ausgeglichenheit und Harmonie. Im Schlaf atmen wir anders als bei körperlicher Anstrengung. Umgekehrt können wir über bewusstes, gelenktes Atmen Unruhe auflösen, Angstzustände mildern, Müdigkeit vertreiben und innere Klarheit fördern.

Gesundheitliche Störungen sind immer mit Atemstörungen verbunden. Wir können aber auch durch eine bewusste Schulung unseres Atems unsere Gesundheit positiv beeinflussen.

Zunächst geht es darum, Störungsmuster des Atems aufzulösen, den natürlichen Atemfluss wieder herzustellen, ihn wahrzunehmen und zu vertiefen.

Dann können wir über die Verlängerung oder Verkürzung von Atemphasen beim Ein- und Ausatmen oder durch Atempausen mit bestimmten Yoga-Atem-Techniken (pranayama) gezielt Einfluss nehmen entsprechend des gewählten Ziels.

Das Üben mit dem Geist: DHYANA

Der Yoga kennt eine Fülle von hochwirksamen Meditationsmethoden (dhyana).

Wir unterscheiden grundsätzlich Formen der inneren Sammlung in der Ausrichtung auf einen Inhalt (Thema, Bild, Wort, Klang, Frage, etc.) und Formen des Leerwerdens, des Loslassens und sich Einlassens im Lauschen auf den Raum der Stille tief in uns.

Welcher Weg, welche Form für den einzelnen Menschen hilfreich ist und welcher nicht, das ist sehr individuell. In den Kursen werden unterschiedliche Formen vorgestellt und eingeübt.

Für einen intensiven Meditationsweg ist aber immer eine individuelle Begleitung notwendig.
Welchen Aufstieg, welchen Weg jemand auf den Berg wählt, das ist sehr individuell. Da ist es ganz wichtig, das zu finden, was zu mir und meiner Weltanschauung passt.
Wenn wir aber den Berggipfel erreicht haben, dann gibt es tiefe Grunderfahrungen, die bei aller Individualität der Meditationserfahrungen bei allen Menschen gleich sind, und zwar unabhängig von Kultur, Weltanschauung oder Religion:
Es ist die Erfahrung, zutiefst eine innere Heimat in der eigenen Mitte gefunden zu haben.
Es ist ein Gefühl des Einsseins mit dem Grund des Seins.
Es ist diese tiefe Verbundenheit mit allen Lebewesen, die daraus entsteht.
Es ist mehr und mehr das Ankommen im Augenblick, reines Gewahrsein.

“Gewahrsein ist Bewusstsein, Gewahrsein ist, wenn alles im Menschen still ist, ist wie ein Licht, das einfach brennt, es beinhaltet die Qualität von Liebe, von Leben.. diese unendliche Offenheit, diese Präsenz. Und gleichzeitig das Tänzerische, lebenstänzerisch…. ”(Annette Kaiser, s.u.)

Diese Erfahrung wird im Logo meines Instituts symbolisiert durch die Tanzhaltung (Natarajasana). “Die Flöte des Unendlichen wird ohne Ende gespielt und ihr Klang ist Liebe” sagt Rumi.

Wir sind ein Tanzschritt in der großen Melodie des Leben, die ihrem Wesen nach Liebe ist. Diese Erfahrung können wir zutiefst auf unserem Yogaweg machen.

Jeder Weg führt zurück in den Alltag. Alles andere ist eine Fehlentwicklung. Und diese Rückkehr in den Alltag ist etwas ganz Schlichtes:

Eine kleine Zen-Geschichte beschreibt das so.

Ein Zen-Meister wurde einmal gefragt, warum er bei seinen vielen Beschäftigungen so gelassen und ruhig bleiben könne. Er antwortete:

„Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich, wenn ich rede, dann rede ich…“

Die Leute wurden ungeduldig, als sie das hörten.

“Das tun wir doch auch!”

Der Zenmeister erwiderte:

“Wenn ihr sitzt, dann geht ihr schon und wenn ihr geht, seid ihr schon da… Ich aber sitze, wenn ich sitze, gehe, wenn ich gehe und wenn ich ankomme, dann komme ich an.”

Das Ankommen im Alltag ist ganz schlicht und doch so schwer: Ganz DA-SEIN in dem, was wir tun.